Was es ist
Das Explosionsschutzdokument ist die Pflicht-Anlage zur Gefährdungsbeurteilung nach BetrSichV §6 und Anhang 1 Nr. 1.8. Es führt zusammen, was sonst auf 5 bis 10 verschiedene Ordner verteilt liegt: Anlagen-Inventar, Stoff-Liste, Zonen-Klassifizierung, Schutzmaßnahmen-Hierarchie, Mitarbeiter-Unterweisungen, Prüfprotokolle und Aktualisierungs-Vermerke.
Wer es braucht
Jeder Betrieb, in dem explosionsfähige Atmosphären auftreten können — in der DACH-Region nach Schätzungen 25.000 bis 40.000 Betriebe. Praktisch relevant sind besonders Bäckereien, Schreinereien, Mühlen, Brennereien, Galvanik-Betriebe, Lacker-Betriebe, Chemie-Mittelständler.
DGUV 213-106 als Strukturvorgabe
Die DGUV Information 213-106 „Explosionsgefährliche Stoffe“ gibt eine praktikable Struktur für das Explosionsschutzdokument vor — in 12 Kapiteln. Sie ist nicht verbindlich, hat sich in der Praxis aber als Standard etabliert.
Die 12 Pflicht-Kapitel
- Anlass und Geltungsbereich
- Tätigkeiten mit explosionsfähigen Atmosphären
- Stoffe und ihre sicherheitstechnischen Kenngrößen
- Anlagen, Apparate, Geräte
- Zoneneinteilung mit Zonenplan
- Zündquellen-Bewertung
- Schutzmaßnahmen technisch / organisatorisch
- Persönliche Schutzausrüstung
- Notfall- und Alarm-Plan
- Prüfungen vor Erstinbetriebnahme und wiederkehrend
- Mitarbeiter-Qualifikation und Unterweisung
- Aktualisierungs-Festlegungen
Selbst erstellen vs. Berater beauftragen
Selbst erstellen lohnt sich, wenn ein Mitarbeitender im Betrieb die Norm-Sicherheit hat (z. B. Sicherheitsbeauftragter oder externe Sifa-Stunden). Berater beauftragen lohnt sich für die erstmalige Erstellung in komplexen Betrieben oder wenn das Wissen fehlt.
Die Praxis-Empfehlung: Berater einmal für die Erst-Begehung und Klassifizierung, danach die Software zur Pflege zwischen den Begehungen.
Marktpreise (975 bis 8.000 €)
Marktübliche Berater-Sätze für die einmalige Erstellung:
- Klein-Betrieb mit einer Anlage: 975 bis 2.000 €
- Mittlerer Betrieb mit mehreren Anlagen: 2.500 bis 5.000 €
- Größerer Betrieb mit Lagerstätten und mehreren Standorten: 5.000 bis 8.000 €
Tagessätze bewegen sich bei 90 bis 150 €/h. Hinzu kommen Folgekosten: Update bei neuer Maschine 500 bis 1.500 €, Komplett-Update alle 3 Jahre ähnlich der Erstkosten.
Aktualisierungs-Pflichten
Aktualisierung bei jeder wesentlichen Änderung — siehe BetrSichV §6. Das Word-Dokument vom Berater veraltet typisch innerhalb 14 Monaten, weil zwischenzeitliche Änderungen nicht systematisch eingepflegt werden.
Vorlage und Software-Alternative
Die DGUV stellt eine PDF-Vorlage zum Selbst-Ausfüllen bereit — als statisches Word-/PDF-Dokument ohne Verknüpfungen. Die Explosionsschutz-Software bildet die 12 Kapitel als Module ab, exportiert das fertige PDF auf einen Klick und pflegt die Doku zwischen den Begehungen automatisch. ROI-Vergleich: Berater vs. Software 5-Jahres-Rechner.